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Wie geht es Kindern und Jugendlichen im Heim?

Information zur ZHAW-Studie «Verletzlichkeit und Wohlbefinden von Kindern»

Wie geht es Kindern in der Schweiz

 
Studiendesign

Wie geht es Kindern in der Schweiz? Was bedeutet für sie Wohlbefinden und was macht Kinder verletzlich? Diesen Fragen gehen wir an der ZHAW in einem Forschungsprojekt nach. Das vom SNF geförderte Projekt «Childhood vulnerability and children’s understandings of well-being» Schweizer Kindheitsstudie zur internationalen Forschung ‘Children’s Understandings of Well-Being – Global and Local Contexts’ läuft seit Januar 2021 und Integras ist unser Projektpartner. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Kindern zu Well-being, Vulnerabilität und Un-/Sicherheit eine Stimme zu geben und ihre Sichtweisen, ihr Erleben zu verstehen. Deshalb führen wir Interviews und Gruppendiskussionen mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 8-14 Jahren in der gesamten Schweiz durch. Wir konzentrieren uns dabei auf Kinder, die offene Angebote der Kinder- und Jugendhilfe nutzen oder in stationären Einrichtungen aufwachsen. Bisher haben wir gemeinsam mit unserem Kooperationspartner von der Uni Genf, 53 Interviews, 30 davon in Heimen, erhoben und vier Gruppendiskussionen in Heimen durchgeführt.

Erste Erkenntnisse  

Erste Themen, die sich in unseren Interviews gezeigt haben, sind z.B. Einblicke in den Prozess ausserfamiliärer Unterbringung. Hier zeigt sich u.a., wie Kinder die unterschiedlichen Akteure, wie bspw. Beistände, aber auch die KESB erleben und empfinden, wie sie die ersten Tage im Heim erlebten und wie es ihnen dort geht. Die Interviews zeigen zudem verschiedene Aspekte des Alltags von Kindern in Heimen auf. So werden in vielen Erzählungen die Zimmer als Rückzugsort genannt. Es zeigt sich auch, dass Kinder Mobbing und Übergriffe durch andere Kinder im Heim erleben und wie unterschiedlich sie damit umgehen. In einigen Interviews wurde auch deutlich, wie Kinder und Jugendliche trotz ausserfamiliärer Platzierung nach wie vor den schwierigen und für sie unberechenbaren Situationen in ihren Herkunftsfamilien ausgesetzt sind. Dieses soziale Ausgesetzt-Sein, das aufeinander angewiesen sein ist Inbegriff dessen, was wir unter Verletzlichkeit verstehen. Wir versuchen in unserer qualitativ-empirischen Studie potenzielle Felder dieser Vulnerabilität zu rekonstruieren. Zwar sind alle Menschen vulnerabel doch diese Verletzlichkeit ist ungleich verteilt. Es zeigt sich eine ungleiche Verteilung in der Prekarität von Menschen. Uns interessiert nun auch wie Kinder und Jugendliche selbst Verletzlichkeit thematisieren, erleben und davon erzählen. Genauso interessiert uns, was well-being für Kinder und Jugendliche bedeutet, wie sie well-being erleben, wo sie sich wohl fühlen und was sie brauchen damit es ihnen gut geht. In unseren Analysen konzentrieren wir uns daher auf die Sicht der Kinder von well-being und ihr Verständnis davon, was jedes Kind braucht, damit es ihm gut geht. Als drittes Hauptinteresse analysieren wir das Erleben von Sicherheit und Unsicherheit der Kinder und Jugendlichen im Heim aber auch ausserhalb der Institution.

Ausblick 

Aktuell sind wir daran Feldzugänge im Tessin aufzubauen, um auch da Kinder und Jugendliche im stationären Bereich zu interviewen und somit die bereits bestehenden italienischen Interviews aus dem offenen Bereich zu ergänzen. Ziel ist es, die Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen aus der Romandie, dem Tessin und der Deutschschweiz miteinander in Beziehung zu bringen. Die Laufzeit des Forschungsprojektes dauert bis Ende 2024.

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Dr. Marion Pomey,
Dozentin und Projektleiterin
 

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Carina Pohl,
Wissenschaftliche Assistentin / Doktorandin