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Kennen Sie das Potenzial von «Familienrat/Family Group Conference» als Verfahren für die Arbeit mit Angehörigen?

«Das war die Hoffnung, dass wir irgendwie am Schluss etwas haben, das von der Familie getragen wird. Von der Familie akzeptiert wird.»

Ausschnitt aus einem Interview mit auftraggebenden Stellen, Projekt AJB, Zürich, 2020

Das Verfahren Familienrat/Family Group Conference, welches ursprünglich aus Neuseeland von den Maori stammt, gehört zu den sich weltweit ausbreitenden Conferencing-Verfahren. Es ist ein hoch-partizipatives, system- und ressourcenorientiertes Vorgehen, welches der Familie und ihrem familiären und sozialen Netzwerk, Verantwortung und Entscheidungskompetenz für sich und die betroffenen Familienmitglieder gibt und dazu führt, dass in kritischen Situationen passgenaue und systemkompatible Lösungen entwickelt werden. Durch die beiden zentralen Elemente «Erweiterung des Kreises» (die Familie wird durch unterstützungsbereite Personen aus dem sozialen Umfeld erweitert), sowie der reinen «Family-only-Phase» (die Familie tagt in einem Zeitfenster des Rats ohne Fachpersonen), werden Eigenkräfte zur Bewältigung der Krise oder einer Umbruchsituation in der Familie aktiviert, die es ermöglichen nachhaltige, von der Familie selbst getragene Lösungen zu entwickeln.

Das Verfahren ist universell anwendbar und kann bei Erziehungsproblemen, bei Sorgerechtsstreitigkeiten und Kommunikationsproblemen in Scheidungs-/Trennungssituationen, bei Erkrankung oder Ausfall von Elternteilen/Eltern, bei Kindeswohlgefährdungen und -abklärungen, bei Platzierungen und Rückplatzierungen in die Herkunftsfamilie, bei früher Elternschaft etc. angewendet werden. Grundsätzlich ist also ein Familienrat in allen Situationen, in denen Unterstützung, Entlastung, Hilfeleistung, kritisches Hinsehen und verbesserte Kommunikation und Absprachen in Familien erforderlich sind, anwendbar.

Seit 2019 gibt es einen nationalen Verein FamilienRat Schweiz. Über deren Homepage erhalten Sie mehr Informationen und Zugang zu neuen Publikationen. Kontaktpersonen bei der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit sind Pia Gabriel-Schärer, Institutsleitung ISB, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und Annette Dietrich, Dozentin und Projektleiterin, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Eine kompakte Zusammenfassung des Verfahrens und eine Darstellung der Ergebnisse von aktuellen Evaluationen finden Sie in folgendem Fachartikel von Annette Dietrich: Familienrat, ZKE, April 2020.