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Integras Homestories: Heime Auf Berg AG

In dieser Reihe stellen wir jeweils ein Mitglied von Integras vor.

Anfang 2017 haben sich die beiden Angebote für Mädchen und Frauen der Wegwarte Basel und des Schulheims Wolfbrunnen unter das Dach der Heime Auf Berg AG zusammengeschlossen. Ein Bericht zum Fusionsprozess von Kerstin Kronenwett, Bereichsleiterin Mädchen und Frauen Heime Auf Berg AG und Thorsten Binus, Gesamtleiter Heime Auf Berg AG.

Die Geschichte des Schulheimes Wolfbrunnen kursierte in den vergangenen Jahren immer wieder durch die soziale Landschaft. Das Thema war, dass sich die Kantonsvertreter und der Stiftungsrat über die zukünftigen Leistungen und Ausrichtung des Mädchenschulheimes in Lausen (BL) nicht einig waren. Eine der diskutierten Lösungen war auch die Schliessung des Angebotes. Es brauchte grosse Anstrengungen und viel Engagement, um immer wieder auf die Notwendigkeit und den Bedarf eines solchen hochspezialisierten Angebotes in der sozialen Landschaft hinzuweisen. Vor allem in Zusammenhang mit der Bildung und heimeigenen Schule.

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Das Schulheim Wolfbrunnen

Der erste Eindruck von Personen, die das Schulheim Wolfbrunnen noch nicht kennen, ist oft ein idyllisches Bild einer basellandschaftlichen Institution inmitten grüner Weite, ausserhalb, damit die Mädchen in Ruhe lernen können. Tatsächlich aber steht das Gebäude an der Hauptstrasse auf der Grenze zwischen Liestal und Lausen. Das Areal besteht aus einem alten Herrschaftshaus mit zwei Nebengebäuden. Der Charme und die Idylle des Areales kommen erst so richtig zur Geltung, wenn man auf der Hinterseite des Haupthauses steht: ein fast schon parkähnliches Gelände. Der grosse grüne Garten lädt zum Verweilen und sich Wohlfühlen ein.

Den Mädchen durch einen Schulabschluss einen möglichst guten Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen ist und war schon seit Jahren das grosse Bestreben aller Mitarbeitenden und des Stiftungsrats. Daneben sollen die Mädchen lernen mit ihrer oft schwierigen Biographie einen Weg zu finden, um sich nach der Schule in der Gesellschaft integrieren zu können.

Die bei uns platzierenden Stellen sind auf der Suche nach einem kleinen Schulangebot. Durch die Geschichten der Mädchen bevorzugen sie ein genderspezifisches Angebot, auch um den angehenden jungen Frauen einen adäquaten Schutzraum bieten zu können und ihnen somit eine optimale Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Mädchen- und Frauenthemen zur ermöglichen, ohne dass das «andere» Geschlecht zu stark präsent ist.

Das Schulheim Wolfbrunnen auf Partnersuche

Dass das Schulheim Wolfbrunnen einen kleinen, feinen und sehr individuellen Schutzraum bietet, galt und gilt es zu bewahren. Dennoch zeigte sich, auch nach der Übernahme der Leitung durch Kerstin Kronenwett 2016, die dringliche Notwendigkeit das Schulheim Wolfbrunnen in ein grösseres Gesamtes stellen zu können, damit das Angebot zukunftsorientiert weiterentwickelt werden und tragfähig bleiben könne.

In der Vorstellung des Stiftungsrats und der Leiterin von einer neuen Trägerschaft war für alle Involvierten klar, dass es zwingend eine Kooperation bzw. ein Zusammenschluss mit einer Mädchen- oder Frauenorganisation sein sollte, die sich möglichst schon seit vielen Jahren mit diesen spezifischen Themen auseinandersetzt.

Der Stiftungsrat des Schulheims Wolfbrunnen führte zahlreiche Gespräche mit allen basellandschaftlichen Kinder- und Jugendinstitutionen und einigen mädchen- und frauenorientierten Organisationen. Dabei war es den Mitgliedern sehr wichtig, dass die neue Trägerschaft einen Sinn für das kleine mädchenspezifische Angebot sieht und sich dazu bekennen kann. Bei den Fusionsgesprächen entwickelten sie viele Ideen, vom Umzug auf ein anderes Areal und Führen des genderspezifischen Angebotes in einer koedukativen Umgebung, von einem gemeinsamen Bewirtschaften der Schule, Suchen von Wohnungen für das Wohnangebot und so weiter.

Die Gesprächsaufnahme mit der Heime Auf Berg AG schien im ersten Moment nicht so vordringlich, da die Heime Auf Berg AG nicht so ganz den Wunschvorstellungen von einem neuen Partner zu entsprechen schien. Die Heime Auf Berg AG betreibt zwar ein koedukatives Kinderheim mit 32 Plätzen im oberen Baselbiet und ein stationäres Mutter-Kind-Angebot in Basel. Aber die Einrichtung bediente Themen wie das Führen einer internen Schule oder die Spezialisierung bzw. Hoch-Sensibilität für mädchenspezifische Themen bisher nicht. Dennoch wurde ganz schnell klar, dass sowohl der Verwaltungsrat wie auch der Gesamtleiter am Angebot des Wolfbrunnens stark interessiert waren und durch ihr Standing in der Institutionslandschaft in der Lage waren, das Dienstleitungsangebot in ihren bestehenden Betrieb zu integrieren. Zeitgleich zeigte sich, dass das grosse Frauenangebot der Wegwarte in Basel vor ähnliche Fragestellungen wie das Schulheim Wolfbrunnen gestellt wurde. Im Herbst 2016 beschloss der Verwaltungsrat der Heime Auf Berg AG mit den Stiftungsräten vom Wolfbrunnen und der Wegwarte, einen gemeinsamen Start auf den 1. Januar 2017 zu vollziehen und die operativen Bereiche unter die Trägerschaft der Heime Auf Berg AG zu stellen.

Fusion

Dass sich Frauen und Männer manchmal verschieden mit Lösungsfindungen auseinandersetzen ist ebenso richtig, wie es inzwischen als Thema auch schon ziemlich überstrapaziert wurde. Dennoch fanden wir genau diese Themen in unserem Fusionsprozess wieder. Natürlich brauchte es in diesem Prozesstempo schnelle und klare Lösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch strukturell verantwortbar sein mussten. In der Erarbeitung von Lösungen haben wir als Geschäftsleitung, aber auch der Verwaltungsrat, gelernt, die sehr spezifischen Bedürfnisse der Mädchen bzw. Frauen zu erkennen und die Fragen zugeschnitten auf die weiblichen Bedürfnisse zu klären. Dazu diente beispielsweise, dass die Leitung der Heimschule des Wolfbrunnen ein Mann übernahm. Diese Entscheidung wurde von vielen Mitarbeiterinnen im Wolfbrunnen, aber auch von den Mädchen, anfangs nicht nur freudig begrüsst. Die Vorstellung des Schulverantwortlichen, wie die Mädchen «in den Unterricht finden» sollen, haben sich Stück für Stück den weiblichen Vorgehensweisen angepasst. Das gewachsene Verständnis für die Mädchen wurde so Stück für Stück von einer männlichen Seite in die Geschäftsleitung mitgetragen und wirkte viel verständlicher, als wenn das von den weiblichen Leitungspersonen herangetragen worden wäre.

Das Geschlechterspezifische kommt in den getrennten Angeboten sehr komprimiert zum Vorschein und ist immer wieder spannend zu beobachten. So wirken pubertierende Mädchen oft hypersensibel, agieren meist in schwer erkennbaren sozialen Zusammenhängen, brauchen viel Zeit um sich an Leistungsanforderungen heranzutasten und stellen sich selber in ihrer Umwelt in Frage. Dies machen sie in ihren sich selbst verletzenden Handlungen immer wieder sichtbar. Gelingt es uns, sie sanft aber klar «abzuholen» und ihnen die Ziele für sie verständlich näher zu bringen, sind sie in der Lage aus Nichts die Welt neu zu gestalten.

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Dass das Schulheim Wolfbrunnen seine Existenzberechtigung hat und sie behält, stellt niemand mehr in Frage. Im heutigen Alltag profitieren aber alle von unserer Institutionsgrösse, sei dies in der Ausdifferenzierung und der Flexibilisierung der Angebote oder auch in Fragen der gemeinsam nutzbaren Personalressourcen. Der Focus unserer pädagogischen Arbeit zielt auf die Schaffung von optimalen Übergängen zwischen den einzelnen Angeboten und einer maximalen Beziehungskontinuität ab.

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