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«Care Leaver erforschen Leaving Care» – Was kommt nach dem Heim oder der Pflegefamilie?

careleaver nach de heim

Partizipatives Forschungs- und Entwicklungsprojekt der FHNW

Was benötigen junge Menschen nach dem Austritt aus einer stationären Erziehungshilfe oder einer Pflegefamilie für einen erfolgreichen Übergang in ein eigenverantwortliches Leben? Die Fachhochschule für Soziale Arbeit FHNW suchte im Forschungsprojekt «Care Leaver erforschen Leaving Care» mit jungen Erwachsenen Antworten auf diese Frage. Über einen Zeitraum von drei Jahren haben fünfzehn Care Leaver, zusammen mit Sozialarbeitenden und Wissenschaftler*innen ihre Lebenssituation erforscht. Ermöglicht wurde das Projekt durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz.

Die Ergebnisse liegen nun vor. Neben dem Forschungsbericht ist in Zusammenarbeit mit dem Care Leaver Netzwerk Basel auch eine Informationsbroschüre entstanden.

Frühes Ende und Hürdenlauf

Der Übergang ins Erwachsenenalter wird von Care Leavern als ein Weg mit Hürden beschrieben. Trotz aller Heterogenität der Lebenssituationen zeigt sich als eine wichtige Erkenntnis des Projekts, dass Leaving-Care-Prozesse eng verknüpft sind mit Erfahrungen des Eintritts und dem Erleben der erzieherischen Hilfen. Auf der Basis der Ergebnisse lassen sich für die Vorbereitung auf den Übergang folgende Empfehlungen ableiten:

  • Leaving-Care-Prozesse und Heimerfahrungen zusammen denken
  • Partizipation im gesamten Hilfeprozess ermöglichen
  • Vorbereitung auf Umgang mit Unsicherheit
  • Familienarbeit in den ergänzenden Hilfen zur Erziehung stärken

Das liebe Geld …

Als grösste Herausforderung zeigt sich für Care Leaver die Finanzierung des eigenen Lebens. Damit verbunden sind auch Fragen zu den Themen Versicherungen, Steuern und zum Umgang mit administrativen Anforderungen der Sozialversicherungen. Eine weitere Hürde stellt die Suche nach geeignetem und finanzierbarem Wohnraum dar. Der Übergang in Berufsbildung und Arbeit ist für junge Erwachsene generell anspruchsvoll. Care Leaver haben in diesem Prozess oftmals kaum Unterstützung durch Personen aus ihrem Umfeld. Nicht zuletzt stellen der Übergang in Elternschaft und die Bewältigung von Schicksalsschlägen Anforderungen, die Care Leaver bewältigen müssen.

Was sagen die Care Leaver zum Übergang?

Grundsätzlich wünschen sich die meisten Care Leaver mehr Unterstützung nach dem Ende der Jugendhilfe. Kernbotschaften aus ihrer Sicht sind dabei: Es ist «schwer, darauf vorzubereiten, es ist klüger nachzubetreuen». Unterstützung sollte weiter am Einzelfall orientiert und zum richtigen Zeitpunkt zugänglich sein. Gleichzeitig ist dabei aber eine vertrauensvolle Beziehung und die Haltung der Sozialarbeitenden wichtig: «Du willst Hilfe erhalten und nicht belehrt werden».

Detaillierte Ergebnisse:  Forschungsbericht

Care Leaver in der Region Basel: Infobroschüre

Forschungsteam

Sarina Ahmed, Angela Rein, Dorothee Schaffner (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)