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Umfrage INTEGRAS

Sozialpolitische Anliegen aus der Kinder- und Jugendhilfe

Integras Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik hat 2019 seine Mitglieder schweizweit nach den wichtigsten Herausforderungen und Entwicklungen aus ihrer Sicht befragt. Zudem wurden die Einrichtungen gebeten anzugeben, wo auf kantonaler oder auf Bundesebene Handlungsbedarf besteht und was aus Ihrer Sicht gut gelingt in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit der ZHAW ausgewertet; sie ist nicht repräsentativ, gibt jedoch deutliche Hinweise. Integras informierte seine Mitglieder und die SODK über die Ergebnisse.

Ergebnisse aus der Deutschschweiz:

  • Klient*innen werden später platziert und weisen komplexere Problemlagen auf – bei gleichen oder verminderten finanziellen und personellen Ressourcen.
  • Knappe finanzielle und personelle Rahmenbedingungen erschweren eine Sicherstellung der fachlichen Qualität der Arbeit.
  • Kantonsübergreifende Vereinbarungen oder Standards sind erwünscht.
  • Eine verbesserte Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, Behörden oder Ämtern oder bessere Vernetzung wurde festgestellt.

Ergebnisse aus der Suisse Latine (Romandie und Tessin):

  • Fehlende Angebote (z.B. Mangel an Pflegefamilien) und ungünstige Rahmenbedingungen sind das grösste Problem, dicht gefolgt von knappen finanziellen und personellen Ressourcen.
  • Auf kantonaler Ebene sind die Entwicklung neuer Angebote und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Angeboten und Disziplinen erwünscht.
  • Auf übergeordneter Ebene werden ein besseres Bildungssystem und die Entwicklung von Angeboten und Standards gefordert.
  • Als positiv werden unterschiedliche Massnahmen und Angebote bewertet, sowie ein verbesserter Einbezug des Kindes.
  • Kantonsübergreifende Vereinbarungen oder Standards sind erwünscht.

Ganz allgemein wird in allen Landesteilen eine Zunahme an Klient*innen mit komplexen und/oder psychiatrischen Problemlagen festgestellt.

Integras fordert die Kantone auf …

  • Die Zunahme von Kindern und Jugendlichen mit komplexen und/oder psychiatrischen Problemlagen sehr aufmerksam zu verfolgen und gemeinsam mit der Kinder- und Jugendhilfe, Psychiatrie, Sonderschulen und Fachverbänden geeignete Präventionsmassnahmen zu entwickeln.
  • Genügende finanzielle und personelle Rahmenbedingungen für alle Angebote der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung zu stellen, damit fachlich adäquate Arbeit und ein adäquater Kindesschutz gewährleistet werden können.
  • Kantonsübergreifende qualitative Standards für die unterschiedlichen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe und deren Aufsicht zu formulieren.

Umfrage Sozialpolitische Anliegen