Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik
Association professionnelle pour l’éducation sociale et la pédagogie spécialisée

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Was tun Familienplatzierungsorganisationen? Und auf welcher rechtlichen Grundlage?

Interpellation 18.3450 Mit dem Kindswohl Kasse machen...

In der Sommersession 2018 hat Frau Nationalrätin Steinemann eine Interpellation an den Bundesrat mit Fragen zur Tätigkeit von Familienplatzierungsorganisationen (FPO), auch Dienstleistungsangebote in der Familienpflege (DAF) genannt, eingereicht. Integras hat auf diese Fragen in einer Antwort an Frau Nationalrätin Steinemann Bezug genommen.

Gesetzliche Grundlage für FPO

Familienplatzierungsorganisationen (FPO) sind gemäss PAVO (Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern) Abschnitt 4a Dienstleistungsangebote in der Familienpflege (DAF). (DAF und FPO werden im weiteren Text synonym verwendet). FPO sind Organisationen, die unterschiedliche Dienstleistungen in der Familienplatzierung anbieten und diese im Auftrag von zuweisenden Stellen (Sozialdienste, KESB, Jugendanwaltschaften) ausführen. DAF sind nur in der Deutschschweiz tätig. In der Suisse Latine werden diese Aufgaben direkt von den Kantonen übernommen.

Welche Dienstleistungen führt eine FPO aus?

FPO übernehmen folgende Aufgaben:

  • Sorgsame Gewinnung von Pflegefamilien inklusive Eignungsabklärung der Pflegefamilien
  • Vermittlung von unterschiedlichen Platzierungen von Pflegekindern (Dauerplatzierungen, Kurzplatzierungen wie Time-Out, Notfallplatzierung, Abklärung, Wochenend- und Ferienplatzierung)
  • Einführungskurse für Pflegefamilien
  • Sozialpädagogische Begleitung des Pflegeverhältnisses
  • Gestaltung der Kontakte des Pflegekindes zur Herkunftsfamilie
  • Weiterbildung für Pflegefamilien
  • Angebote für Pflegekinder

DAF investieren sehr viel Zeit und qualitativen Aufwand, um geeignete Pflegefamilien zu gewinnen – von 10 interessierten Pflegefamilien kommen in der Regel unter 30% wirklich in Frage. Pflegefamilien benötigen eine Vorbereitung für ihre Aufgaben und im Anschluss regelmässige fachliche Unterstützung und Beaufsichtigung durch die DAF. Dies einerseits, um ein gelingendes Pflegeverhältnis herzustellen, um die Entwicklung des Kindes zu dokumentieren und um bei drohenden oder bereits eingetretenen Krisen rasch eingreifen zu können.

Die laufende Begleitung eines Pflegeverhältnisses durch Fachpersonen ist notwendig, um die Pflegeeltern in ihrer fordernden Tätigkeit einerseits zu entlasten und zu unterstützen, aber auch zu beaufsichtigen. Zudem belegen wissenschaftliche Studien, dass eine Familienplatzierung insbesondere dann erfolgreich ist, wenn die Pflegefamilie gut auf die Aufgabe vorbereitet wurde und das Pflegeverhältnis sorgfältig begleitet wird. FPO üben somit einen wesentlichen Einfluss auf die sichere und entwicklungsfördernde Unterbringung fremdplatzierter Kinder und Jugendlicher in Pflegefamilien aus. Integras fordert deshalb: kein Pflegeverhältnis ohne Begleitung!

Beaufsichtigung und Qualifizierung der FPO

In der PAVO Abschnitt 4a, Art. 20a bis f sind die rechtlichen Grundlagen für DAF festgelegt.

DAF übernehmen Aufgaben des Staates in einem sehr sensiblen Bereich des Kindesschutzes. Darum ist es notwendig hohe Qualitätsstandards zu setzen. Aus diesem Grund hat Integras das Label FPO erarbeitet. Nicht alle DAF sind mit dem Integras Label FPO zertifiziert. Die Kantone haben ihrerseits unterschiedliche Aufsichtskriterien entwickelt, die sich am Integras Label FPO orientieren, dieses jedoch nicht voll erfüllen.

Tarife von FPO und Entschädigungen für Pflegefamilien

Insgesamt leisten DAF eine sehr wertvolle Aufgabe für den Staat im Kindesschutz. Ansonsten müsste der Staat diese Aufgaben vollumfänglich selber zur Verfügung stellen. Es ist jedoch auch notwendig, dass der Staat diese Aufgabe mit der nötigen Sorgfalt delegiert und beaufsichtigt. Die Tarife der DAF sind unterschiedlich und hängen vom Alter des Pflegekindes ab; sie müssen allerdings transparent und nachvollziehbar sein. Ebenfalls müssen DAF in der Lage sein, gewisse Investitionen zu tätigen, die vor allem die Schulung von Fachpersonen und Pflegeeltern betreffen.

Betreffend Entschädigungen für Pflegefamilien besteht in der Tat noch Handlungsbedarf. Die IAGJ (Internationale Gemeinschaft für Jugendfragen) fordert faire und transparente Entgeltung der Pflegefamilien: «Entgeltregimes für Pflegepersonen variieren nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb von Nationalstaaten und verschiedenen Regionen sowie Versorgungsgebieten ausserordentlich stark. Teilweise weichen nicht nur die absoluten Beträge, sondern auch ihre Berechnungsgrundlagen erheblich voneinander ab. Noch immer gibt es Versorgungsregionen, in denen Pflegepersonen nur einen Ausgleich für Aufwendungen wie Unterkunft und Ernährung erhalten – aber keine Vergütung für ihre Betreuungsleistungen. Dies steht im krassen Widerspruch dazu, dass Familienpflege eine unverzichtbare Säule öffentlich verantworteter Erziehung ist. Der Anspruch auf ein angemessenes Pflegegeld ist zudem im Artikel 294 des ZGB festgehalten.» Dieser Forderung schliesst sich Integras an.

Anzahl platzierter Kinder

Bis heute können schweizweit keine Aussagen darüber getroffen werden, wie viele Kinder fremdplatziert sind und wie diese platziert sind. Die Zahlen dazu existieren nur in den Kantonen und sie werden unterschiedlich erfasst.

Integras fordert, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, damit eine schweizweite Statistik zu fremdplatzierten Kindern erstellt wird.

» Die Antwort von Integras kann hier eingesehen werden.

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